Die ev. Kirche und die Verfolgung von Jüdinnen und Juden in der NS-Zeit. Das Jahr 1938
Shownotes
Der Podcast "Rheinische Kirchengeschichte(n)" fokussiert in einer vierteiligen Reihe die Haltung der evangelischen Kirche zur Verfolgung von Jüdinnen und Juden und fragt u. a.: Wie ging die Kirche mit den eigenen Mitgliedern um, nämlich den verfolgten Christinnen und Christen jüdischer Herkunft? Text und Sprecher: Prof. Dr. Siegfried Hermle Sprecherin: Dr. Bettina Förster
Eine Produktion der Evangelischen Akademie im Rheinland und der Kommission der Evangelischen Kirche im Rheinland für Kirchengeschichte, 2026.
Literatur: Hermle, Siegfried/Oelke, Harry (Hrsg.): Kirchliche Zeitgeschichte_ evangelisch. Band 2: Protestantismus und Nationalsozialismus (1933–1945). Reihe Christentum und Zeitgeschichte. Band 7. Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt 2020.
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00:00:01: Rheinische Kirchengeschichten, der Podcast.
00:00:06: Heute geht es um
00:00:08: die Haltung der evangelischen Kirche zur Verfolgung von Jüdinnen und Juden in der Zeit des Nationalsozialismus.
00:00:15: Folge drei das Jahr neunzehnhundertdreißig Reichspogromnacht und die Folgen vorangestellt sei dass die Kirche gespalten war.
00:00:26: Es gab die deutsch-gristlichen Kirchenleitungen Die Hitler ergeben waren.
00:00:32: Auf der anderen Seite gab es die bekennende Kirche, die sich dagegen wehrte, dass sie ein Essstaat die Organisation der Kirche übernahm.
00:00:42: Allerdings auch in der bekennenden Kirche stellten sich nur wenige grundsätzlich gegen Hitler.
00:00:50: In dieser Reihe fokussieren wir auch das bislang wenig beachtete Schicksal von Christinnen und Christen jüdischer Herkunft für die Nationalsozialisten als jüdisch galten.
00:01:10: Es wurde die nächste Stufe der Ausgrenzung und Gewalt gegen die in Deutschland lebenden Jüdinnen und Juden erreicht, aus Verzweiflung über die gewaltsame Abschiebung seiner Eltern nach Polen verübte Herrschel Grünspan in Paris ein Attentat auf den dortigen Botschaftsattasché Ernst vom Rat.
00:01:33: Joseph Goebbels ließ daraufhin in den Zeitungen massive Angriffe gegen die Juden verbreiten.
00:01:39: In München hatte sich gerade die NS-Elite versammelt, um der Wehren des Hitler-Putsches neunzehnhundertdreiundzwanzig Gefallenen zu gedenken.
00:01:49: Als sie die Nachricht erreichte, dass vom Rat gestorben war, initiierte Goebbles ein bis dahin undenkbares Pogrom.
00:01:58: In der Nacht vom neunten auf den zehnten November branden in Deutschland ungefähr vierhundert Synagogen.
00:02:05: Achttausend Geschäfte wurden zerstört, dreißigtausende jüdische Männer verhaftet und für einige Wochen in Konzentrationslager eingesperrt um die hundert Personen verloren ihr
00:02:16: Leben.".
00:02:17: Der deutschgristliche Bücher von Thüringen Martin Sasse begrüßte dem Brand der Synagoge euphorisch.
00:02:25: Dadurch würde endlich Lutters Forderung umgesetzt.
00:02:29: Die bekennende Kirche blieb zunächst stumm, erst im Dezember rief ein Kirchendag der bekannten Kirchen einem Wort an die Gemeinden zur Solidarität auf – allerdings nur mit Christinnen und Christen jüdischer Herkunft.
00:02:44: Eine womöglich sogar öffentliche Verurteilung der Gewaltmaßnahmen oder eine ausdrückliche Bekundung des Mitgefühls für die Betroffenen wagte man nicht!
00:02:56: Nur einzelne Theologen trauten sich, gegen das brutale Vorgehen die Stimme zu erheben.
00:03:03: Beispielsweise protestierten Julius von Jahn in Württemberg und Helmut Goldwitzer in Berlin.
00:03:10: gegen die Gewaltmaßnahmen In der Gemeinde Barmengemarke äußerte sich Pfarrer Karl immer.
00:03:17: Am Sonntag nach den unfasslichen Ereignissen stellte er sich ohne Talar vor die Gemeinde und erklärte Ein paar hundert Meter von der Gemarkerkirche entfernt sei das Wort Gottes verbrannt worden.
00:03:32: Weiter führte er aus, Er wolle und könne deshalb heute keine Predigt halten.
00:03:39: Er wolli nur zwei Texte vorlesen.
00:03:42: Pfarrer Karl Immer las dann die zehn Gebote und das Gleichnis vom Barmherzigen Samariter und betete Das Vater Unser.
00:03:51: Dieses Bescheidene geradezu winzige Und doch zugleich mutige Zeichen von Solidarität ist alles, was sich aus der rheinischen Kirchenprovinz ein Reaktionen auf die Pogromnacht berichten lässt.
00:04:07: Gleichgültigkeit, Angst oder gar Zustimmung zu den Ereignissen waren vorherrschend und ließen die Kirche
00:04:16: verstummen.".
00:04:20: Wie gingen die Nationalsozialisten nach der Reichspogrom Nacht weiter vor?
00:04:26: Die jüdischen Geschäftsinhaber wurden gezwungen, ihre Betriebe zu Spottpreisen zu arisieren.
00:04:33: Und es wurde der Druck erhöht die wenigen noch in verantwortlicher Position tätigen Personen mit Verbindungen zum Judentum zu beseitigen.
00:04:44: Erinnert sei in diesem Zusammenhang an den Düsseldorf Regierungspräsidenten Karl Schmidt dessen Frau aus dem Judentums stammte.
00:04:52: Dies war neunzehntzechsund dreißig bekannt geworden und führte zunehmend zu Angriffen auf die Familie.
00:04:59: Durch Flugblätter, und auf Kundgebungen wurde die Ablösung von Schmidt gefordert.
00:05:06: Eine große Demonstration am zehnten November neunzehnhundert achtunddreißig vor dem Dienstgebäude unterstrich dies eindrücklich!
00:05:14: Die Rheinische Landeszeitung berichtete die Menge habe durch Niederrufe ihren Abscheu darüber Ausdruck gegeben, dass ein hoher dort beschäftigter Beamter auch heute noch mit einer Jüdin verheiratet ist.
00:05:30: Schmidt wurde daraufhin aus dem Amt entfernt und lebte mit seiner Familie im folgenden weitgehend verborgen bzw in der Illegalität zuletzt in einem Dorf im Schwarzwald.
00:05:44: Diskriminierungen häuften sich ab und ab in den letzten Jahren.
00:05:50: Oberstes Ziel der nationalsozialistischen Rassepolitik war es zunächst, die Juden zur Ausreise aus Deutschland zu nötigen.
00:06:00: Wie reagierte die bekennende Kirche im Jahr in den vergangenen Jahren auf die Entwicklungen?
00:06:06: Mit
00:06:07: dem Jahr mitten in den ersten Jahren besandte sich die bekannene Kirche darauf zumindest ihren bedrängten Mitgliedern den Christinnen und Christen jüdischer Herkunft, Unterstützung durch eine kirchliche Hilfstelle zukommen zu lassen.
00:06:22: Seit August neunzehntel achtunddreißig baute der Berliner Pfarrer Heinrich Grübern – eine zentrale Hilfestelle für nichtarische Christen in Berlin auf die bald seinen Namen trug Büro-Fahrergrüber.
00:06:39: Diese Stelle sollte seelsäugerlich in Beistand leisten, verdient nach der Progromnacht Inhaftierten, schulische Betreuung der nichtarischen Kinder, Umschulungen Jugendlicher, Fürsorge für Alte und Gebrechliche sowie vor allem Hilfe- und Beratung zur Auswanderung.
00:07:01: Bald wurde deutlich dass die Betroffenen von Berlin aus nicht zu reichen betreut werden konnten.
00:07:07: Grüber baute daher ein Netz von Hilfstellen in ganz Deutschland auf.
00:07:12: Im Westen wirkten als Vertrauensleute Paul Biermann, in Mühlheim an der Ruhr und Gottfried Hötzel in Düsseldorf sowie nach dessen Tod, neunzehntvierzig Pfarrer Hans Balke.
00:07:26: für den Bereich Köln und das südliche Rheinland war Pfarrers Enke in Kölns zuständig der durch Moritz Weißenstein und die Vikarin-Inaq Schlüssel unterstützt wurde.
00:07:46: Trotz aller Bemühungen gestaltete sich die Vermittlung von Auswanderungsmöglichkeiten schwierig, sodass viele – insbesondere aus dem Rheinland – versuchten illegal in die Niederlande zu gelangen.
00:08:00: Doch die Hoffnung nun in Sicherheit zu sein trock.
00:08:04: Nach der deutschen Besetzung der Niederlande in den Neunzehnten seien sich die Geflonen erneut der rassistischen Politik des NS-Staates ausgesetzt.
00:08:14: Manche verloren die Hoffnung, tauchten unter oder zogen den Selbstmord einer ungewissen Zukunft vor.
00:08:22: Zwei Beispiele – der Wuppertaler Arzt Arthur Strauss und seine Frau Lucie, die nach den Novemberprogrammen in die Niederlände geflohnt waren begingen am fünften September, nineteenhundertvierzig gemeinsam Selbstmord.
00:08:38: Der Maler Herbert S., sein Nachname ist nicht bekannt aus Essen der neunzehnundzwanzig zum Christentum konvertiert und neunzenhundertdreißig eine arische Frau geheiratet hatte Flo bereits neunzenthundertsiebenund dreißig mit seiner Familie nach Amsterdam.
00:08:59: Eine Weitereise nach Mexiko zerschlug sich.
00:09:03: Er arbeitete als Landarbeiter und ging ab nineteenhundertdreiundvierzig in die Illegalität.
00:09:10: Es gelang ihm zu überleben, nach Kriegsende kehrte er mit seiner Familie nach Essen zurück.
00:09:18: Wie ging es für die Verfolgten, die nicht fliehen konnten weiter?
00:09:23: Ab dem ersten Januar neunzehnhundertneununddreißig mussten alle Jüdinnen und Juden ihrem Namen Israel bzw.
00:09:32: Sarah hinzufügen.
00:09:34: Schon zuvor waren sie schrittweise in bestimmten Häusern zusammengedrängt worden und je noch in Deutschland verbliebenen wurden ab Kriegsbeginn zur Zwangsarbeit gezwungen.
00:09:47: Am zwölften Mai, neunzehntundneinunddreißig ordnete der evangelische Oberkirchenrate Altpreußischen Union – dem auch die Rheinische Kirche unterstand – einen Ariaparagrafen für alle Veramtsbewerber an.
00:10:03: Damit soll die Gewährleistet werden, dass es künftig nur noch arische Amtsträger in der deutschen Kirche geben kann.
00:10:11: Die weiteren Entwicklungen bis zum Kriegsende werden wir in der nächsten Folge beleuchten.
00:10:22: Was bleibt?
00:10:24: In der dritten Phase zielte die nationalsozialistische Rassepolitik auf eine brutale Einschüchterung, Ausgrenzung und Stigmatisierung der in Deutschland lebenden Jüdinnen und Juden.
00:10:36: durch die Entmenschlichung der Verbliebenen sollte gezielt eine Insolidarisierung und Isolation herbeigefügt werden.
00:10:45: Das Versagen der Kirche seinerzeit kann uns heute darauf beweisen, sich ausgegrenzten und an den Rand der Gesellschaft gedrängten Menschen zuzuwenden und ihnen die notwendigen Unterstützung und Begleitung zukommen zu
00:11:01: lassen.".
00:11:12: Sprecherin Dr.
00:11:13: Bettina Förster Eine Produktion der Evangelischen Akademie im Rheinland und der Kommission der evangelischen Kirche für Kirchengeschichte.
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