Die ev. Kirche und die Verfolgung von Jüdinnen und Juden in der NS-Zeit. Die Jahre 1941–1945
Shownotes
Der Podcast "Rheinische Kirchengeschichte(n)" fokussiert in einer vierteiligen Reihe die Haltung der evangelischen Kirche zur Verfolgung von Jüdinnen und Juden und fragt u. a.: Wie ging die Kirche mit den eigenen Mitgliedern um, nämlich den verfolgten Christinnen und Christen jüdischer Herkunft? Text und Sprecher: Prof. Dr. Siegfried Hermle Sprecherin: Dr. Bettina Förster
Eine Produktion der Evangelischen Akademie im Rheinland und der Kommission der Evangelischen Kirche im Rheinland für Kirchengeschichte, 2026.
Literatur: Hermle, Siegfried/Oelke, Harry (Hrsg.): Kirchliche Zeitgeschichte_ evangelisch. Band 2: Protestantismus und Nationalsozialismus (1933–1945). Reihe Christentum und Zeitgeschichte. Band 7. Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt 2020.
Transkript anzeigen
00:00:01: Rheinische Kirchengeschichten, der Podcast.
00:00:06: Heute geht es um
00:00:09: die Haltung der evangelischen Kirche zur Verfolgung von Jüdinnen und Juden in der Zeit des Nationalsozialismus.
00:00:16: Folge Vier Die Jahre forty-onehntvierzig bis neunzehnhundertfünfundvierzich Sternverordnung, Deportation und Shoah.
00:00:26: vorangestellt sei dass die Kirche gespalten war.
00:00:30: Die deutschen Christen waren Hitler treu.
00:00:33: Die bekennende Kirche dagegen wehrte sich, dass auch die Kirche gleichgeschaltet wird.
00:00:40: Gegen die Verfolgungen äußerte sich die bekennenden Kirche nicht geschlossen öffentlich und nur durch einzelne Vertreter.
00:00:50: In dieser Reihe fokussieren wir auch das bislang wenig beachtete Schicksal von Christinnen und Christen jüdischer Herkunft, als jüdisch galten.
00:01:04: Seit September, neunzehntneununddreißig führte Hitler Krieg.
00:01:08: Was geschahen?
00:01:09: Neunzehnhundertundvierzig!
00:01:12: Mit dem Überfall auf die Sowjetunion setzte im Juni nineteenhundert und vierzig eine erneute Verschärfung der Situation ein.
00:01:21: In Deutschland wurde nunmehr der Kampf gegen den vorgeblich inneren Feind forciert und die Lebensbereiche der verbliebenen Jüdinnen und Juden, die man als Teil einer Weltverschwörung gegen Deutschland sah, Schritt für Schritt weiter eingeschränkt.
00:01:39: Hingewiesen sei in diesem Zusammenhang nochmals darauf, dass das Schicksal der Christinnen- und Christen jüdische Herkunft mit dem der Juden unmittelbar verbunden war.
00:01:51: Seit September, wurde für alle Jüdinnen und Juden das Tragen eines Sterns an der Kleidung obligatorisch, sodass sie nun in der Öffentlichkeit sofort erkannt wurden.
00:02:05: Weitere diskriminierende Maßnahmen waren zu diesem Zeitpunkt bereits verfügt oder folgten in kurzen Abständen – so durften Sie um nur ein Beispiel zu nennen ab Januar nineteenhundertvierzig ihre Wohnung zwischen zwanzig und sechs Uhr im Winter und einundzwanzig-unfünf Uhr im Sommer nicht mehr verlassen.
00:02:28: Einher ging mit dieser verschärften Situation auch ein Verbot der Emigration, spätestens mit der Wannseekonferenz vom zwanzigsten Januar nineteenhundertzweiundvierzig wurde die Abschiebung und Ermordung der Juden primäres Ziel staatlicher Politik.
00:02:48: von Köln gingen die ersten Transporte im Oktober, in den Osten.
00:02:55: Im Winter, der größte Teil der Kölner Juden wurde in das Vor-Fünf in Müngersdorf und ein benachbarte Barakennlage verlegt, wo sie unter unsäglichen Bedingungen vegetierten.
00:03:11: Diese Getuisierung diente der Vorbereitung weiterer Transporte die bis Oktober nineteenhundertvierundvierzig regelmäßig ab Köln-Deutsch in die großen Ghettoes des Ostens beispielsweise nach Theresien statt abgingen.
00:03:28: Von den Lagern im Osten erfolgte die Verschleppung der ca.
00:03:31: elf tausend von Kölnen weggeschaffen Menschen in die Vernichtungslager, die Juden des Regierungsbezirks Düsseldorf wurden zwischen neunzehnhunderteinundviertzig vom Bahnhof Düsseldorf, Derendorf in mehreren Großtransporten mit je mehr als tausend Menschen in die Ghettoes Lodz-, Minsk-, Riga- oder Isbar bei Lublin transportiert.
00:04:00: Ein Beispiel mag für viele stehen – die beiden Diakonissen Erna und Johanne Aufricht aus Düsseldov-Kaiserswert waren Christinnen jüdische Herkunft und wurden in den Sicheren Tod geschickt.
00:04:26: Wie reagierte die evangelische Kirche auf die grausamen Entwicklungen?
00:04:31: Es gab in der bekennenden Kirche nur einzelne Orgaschierte, die Christinnen- und Christenjüdische Herkunft halfen.
00:04:40: Angesichts der Deportation Versuchten diese, die verfolgten unter anderem mit einem Gottesdienst zu stärken.
00:04:48: In Köln gestaltete beispielsweise Hans Enke solche Gottesdienste.
00:04:53: Der massiven Ausgrenzung der Juden im staatlichen Bereich ließen sieben deutsch-gristlich dominierte Landeskirchen entsprechende Bestimmungen für ihre Kirchen folgen.
00:05:05: Sie hoben die Gemeinschaft ihrer LandeskIRCHEN mit Christinnen und Christen jüdischer Herkunft auf.
00:05:12: Getaufte Nicht-Arier sollten ausgeschlossen werden.
00:05:17: Dagegen protestierte die bekennende Kirche entschieden, da dies dem Wesen der Kirche widerspreche.
00:05:24: Die deutsch-christlichen Kirchen setzten aber alles daran ihre Verbindung zum Judentum abzubrechen.
00:05:31: Zu diesem Vorhaben passte auch das sogenannte Institut zur Erforschung und Beseitigung des jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben, das bereits im Mai deiner Eise nach eröffnet worden war.
00:05:49: Eine gefährliche Art des Beistandes und der Solidarität mit dem verfolgten Bestand darin untergetauchten Unterschlupf zu gewähren und sie so vor den Zugriff der Gestapo zu schützen.
00:06:02: berichtet wird dass Ernst Horn in einem Kinderheim, in Bad Godesberg einige nichtarische Kinder versteckt hielt.
00:06:12: Eine besondere Anlaufadresse für verfolgte im Ruhrgebiet war Pfarrer Heinrich Heldt .
00:06:18: Er vermittelte nicht nur Quartiere für Untergetauchte , er bot selbst im Untergeschoss der zerstörten Reformationskirche und ihm angrenzenden Pfarrhausunterschlupf und Philipp Rappaport untergebracht.
00:06:40: Es
00:06:46: gab zwei Versuche, das massenhafte Töden zu thematisieren und ein Nach- beziehungsweise Umdenken anzuregen.
00:06:56: Zu Ostern nineteenhundertdreiundvierzig formulierte einen Münchner Leienkreis einen eindrücklichen Text der ein öffentliches Wort der Kirche für die verfolgten Juden einforderte.
00:07:09: Der bayerische Landesbischof Meiser sollte dafür sorgen, dass es von den Kanzeln verlesen wird.
00:07:16: Durch hierzu saß ich Meiser nicht in der Lage – er leitete den Text an den württembergischen Landesbishof Theophil Wurm weiter.
00:07:27: Wurm richtete am sechzehnten Juli neunzenhundertdreihundvierzig einen Schreiben an Hitler in dem er gegen den Massenmord an den Juden protestierte.
00:07:39: Als der junge Theologe Helmut Hesse, in einem Gottesdienst am sechsten Juni, in Elberfeld, den Münchener Text Verlas war ein Gestapo-Beamter im Gottesdienst anwesend.
00:07:54: Helmut und sein Vater Hermann Albert wurden verhaftet.
00:07:59: Aus den Vernehmungsprotokollen ist zu entnehmen dass Helmut Hesse versuchte, seine Position durch Rückbezug auf biblische Zeugnisse zu begründen.
00:08:10: Eine Argumentation die natürlich bei den Behörden nicht half.
00:08:16: Beide Vater und Sohn wurden in Schutzhaft genommen und ins KZ Dachau verbracht wo Helmut hesse am vierundzwanzigsten November neunzenhundert dreiundvierzig an einer schweren Nierenerkrankung verstarb.
00:08:31: Letztmalig berieden sich Vertreter der bekennenden Kirche auf der zwölften Bekenntnis Synode in Breslau.
00:08:38: Sie verabschiedeten einen Text zum fünften Gebot, du sollst nicht töten!
00:08:44: Sie formulierten darin, dass die göttliche Ordnung Begriffe wie ausmerzen, liquidieren und unwertes Leben nicht kenne.
00:08:54: Außerdem stand im Text das für einen Christen der Nächste jener sei, der hilflos ist und zwar ohne Unterschied der Rassen, Völker- und Religionen.
00:09:07: Ob dieser Text noch eine breitere Rezeption erfuhr ist angesichts der Kriegsverhältnisse eher fraglich – ein Druck war im Krieg schlechthin unmöglich und auch eine Verlesung war angesichts des gegebenen Situation kaum mehr vorstellbar.
00:09:26: So war dieser Beschluss der zwölften Bekenntnissenote zwar mutig Doch er kam zu spät.
00:09:39: Seitens der bekennenden Kirche wurden Proteste gegen die Mordaktionen der Nationalsozialisten spät, zu späht laut Nur für Einzelte.
00:09:52: engagierte Christinnen und Christen wagten es verfolgten Unterschlupfzugewehren und sie in der Illegalität zu unterstützen.
00:10:02: Wo sind die Kirchen heute gefragt?
00:10:05: ihre Stimme gegen Ausgrenzung oder gar Völkermord zu
00:10:31: erheben.
Neuer Kommentar